so gewinnen sie mehr Selbstvertrauen
Viele Menschen gehen keine Risiken ein, weichen Schwierigkeiten aus; und stehen sich damit selbst im Weg. Das muß nicht sein: Mutiges Verhalten läßt sich trainieren
Es geschah letzten Sommer: Die kleine Dana (4) spielt an einer Uferböschung. Plötzlich rutscht sie aus, fällt ins Wasser. Während Schaulustige tatenlos gucken, springt ein junger Mann hinterher, rettet das Kind. Und als die glückliche Mutter dem Helden danken will, winkt der ab: „War doch selbstverständlich Warum dieser Spruch keine Untertreibung ist, erklärt die Psychologin: „In solchen Notlagen tritt eine Alarmreaktion ein, der Körper macht mobil. Da schlägt unser Steinzeiterbe durch.” Vermutlich sind einige Menschen durch ihre Gene einfach nur besser gerüstet, um in solchen Situationen schnell zu handeln wie Danas Retter. Aber die Expertin weiß: „Mutiges Verhalten kann wirklich jeder lernen.”
Die Helden des Alltags
Denn Mut ist mehr, als sich Hals über Kopf in eine Gefahr zu stürzen. So sehr wir Helden alter Legenden bewundern, die sich Drachen oder wilden Tieren stellen, sie
handeln zwar furchtlos, aber oft unüberlegt. Nur in Ausnahmefällen, wenn Sekunden über Leben oder Tod entscheiden, kann ein solches Verhalten sinnvoll sein. Die wahren Helden des Alltags meistern dagegen andere Schwierigkeiten: Sie setzen sich für andere ein, wagen es, laut ihre Meinung zu verteidigen, stellen sich Problemen, statt ihnen auszuweichen. Wie gelingt ihnen das?
Schon Mini-Schritte helfen
„Die Grundlage für Mut ist Selbstvertrauen Am einfachsten haben es Menschen, die schon in der Kindheit Vertrauen gelernt haben.” Dabei helfen feste Bindungen an die Eltern: „Das bedeutet nicht, dass sie über behütet werden. Kinder sollen Mut proben machen dürfen, aber immer wissen: Meine Eltern
glauben an mich und meine Fähigkeiten.”
Auch im späteren Leben lassen sich Selbstvertrauen und damit Mut lernen. „Man darf Schwierigkeiten nicht ausweichen, sondern muß sich der Herausforderung stellen”, sagt die Psychologin. „Dann merkt man schnell: Ich kann es ja doch. Das sorgt für ein gutes Gefühl und diese Erfahrung macht es beim nächsten Mal einfacher, etwas zu riskieren.”
Wichtig ist, sich am Anfang nicht zu überfordern. Auch kleine Schritte helfen: „Wer Angst vor Höhe hat, überwindet beim ersten Versuch nur ein paar Stufen einer Leiter, dann steigt er ganz hinauf, am Ende springt er mit dem Fallschirm ab.”
so gewinnen sie mehr Selbstvertrauen
Wer es nicht allein schafft, sollte sich Hilfe holen: In Selbsthilfegruppen, mit einem Coach oder einem Therapeuten lassen sich Ängste besprechen. Auch im Gespräch mit einer Freundin oder dem Partner gelingt es, neue Wege zu finden. „Wichtig ist dabei, dass man nicht nur klagt, sondern Pläne schmiedet, um ein Problem zu lösen”, erklärt die Expertin.
Wie sage ich es nur?
Ein Mittel dafür sind Rollen spiele, in denen Szenen vorab
geübt werden können, z.B.: Wie sage ich dem Chef, daß er unfair ist? Wie spreche ich fremde Leute an? Wer solche Gespräche zu Hause durchspielt, hat es in der Firma oder bei einer Veranstaltung mit vielen Unbekannten leichter.
Du schaffst es!
„Viele Menschen glauben, sie müßten erst ihr Inneres ändern und dann ihr Verhalten Aber es funktioniert auch genau andersherum.” Hilfreich ist, sich selbst Mut zu machen: „Man sagt sich: Du schaffst das. Und man erinnert sich an Tage, an denen etwas geklappt hat und wie gut sich das anfühlt.”
Auf die Atmung achten
Entspannungsübungen und Sport sorgen für ein besseres Körpergefühl und machen lockerer. Wichtig ist die Atmung: Tief ein- und vor allem tief ausatmen wirkt wie eine Angstbremse.
Eine Übung, die beruhigt: Atmen Sie 2 Sekunden ein, drei Sekunden anhalten, 2 Sekunden lang ausatmen. Sagen Sie sich dabei: „Ich bin ganz entspannt” und wiederholen Sie die Übung acht mal. Übrigens: Angenehme Düfte wie z.B. Vanille beruhigen ebenfalls in Angstsituationen.
Kleine Mutproben
Wer sich selbst stärkt, bringt Mut auch bei Alltagsdingen auf, etwa im Gespräch mit dem Partner über heikle Fragen oder mit der ehrlichen Antwort auf die Frage der Freundin, ob ihr ein Kleid steht…
Die schwerste Mutprobe aber hat der Schriftsteller John Steinbeck beschrieben: „Leicht ist es zu geben, aber nur große Menschen haben den Mut, Freundlichkeit anzunehmen.”
Was Angsthasen besser machen
ABWÄGEN
Furcht haben ist normal -vor unbekannten Situationen und realen Gefahren. „Angsthasen” stürmen nicht vor, sondern wägen ab: Ist es wirklich klug, in eine dunkle Höhle zu klettern oder einen fremden Hund zu streicheln?
NACHDENKEN
Ein Leben ohne Angst ist gar nicht erstrebenswert, weil man sich-immer gefährlicheren Situationen aussetzen würde. „Angst kann ein guter Hinweis sein, etwas nicht zu tun”, sagt die Psychologin Dr. Ulrike Lupke. „Sie kann uns sagen: Denk noch mal nach.” Aber: „Wir haben ja mehr mit bekommen als das Steinzeitprogramm im Kopf, das uns rät, weg zulaufen. Wir können überlegen, welche Risiken wir wagen wollen und welche nicht.”
EINSCHRÄNKUNG
Angst wird nur zu einem Problem, wenn sie das Leben einschränkt: Wer aus Furcht vor einem Unfall oder Herzinfarkt keinen Sport treibt, wird vermutlich erst recht krank. Einige Menschen entwickeln übertriebene Ängste (Phobien): Sie trauen sich in keine überfüllte U-Bahn, betreten aus Angst vor Spinnen keinen dunklen Raum oder vermeiden es, im Mittelpunkt zu stehen. „Wenn die Angst so groß wird, bedarf es einer psychologischen Behandlung”, erklärt Ulrike Lupke.
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