Wachstumsfördernde Substanzen im Fleisch verringern die Spermaqualität?
Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Söhne deren Mütter während der Schwangerschaft viel Rindfleisch gegessen hatten, über eine geringere Anzahl von Spermien verfügten. Der Effekt wird auf den Einsatz von Wachstumsförderern in der Tierernährung zurückgeführt.
Die Studie stammt von Wissenschaftlern der University of Rochester und wurde in Human Reproduction veröffentlicht.
Die Forscher untersuchten bei zwischen 1949 und 1983 geboren Männern die Spermienqualität in der Samenflüssigkeit. Es zeigte sich, dass Männer, deren Mütter mehr als 7 Mal in der Woche Rindfleisch assen, eine durchschnittliche Spermakonzentration von 43.1 Mio. Spermien pro ml Samenflüssigkeit hatten. Assen die Mütter weniger Rindfleisch, verfügten die Söhne durchschnittlich über 56.9 Mio. Spermien pro ml. Bei den Söhnen, deren Mütter in grossen Mengen Rindfleisch konsumierten, verfügten 17.7 % sogar über eine so tiefe Spermakonzentration, dass diese unter der WHO-Grenze für Subfertilität liegt (< 20 Mio. Spermien pro ml). Bei anderen Frauen lag der Prozentsatz lediglich bei 5.7 %.
Die leitende Wissenschaftlerin Shanna Swan erklärte, dass die Ergebnisse darauf schliessen lassen, dass im Fleisch enthaltene Wachstumsförderer für die schlechte Spermaqualität der Söhne verantwortlich sind. Sie stützt sich dabei darauf, dass Föten und kleine Kinder sehr empfindlich auf den Kontakt mit Sexualhormonen reagieren. Aus diesem Grund ist der Konsum von Fleisch mit Rückständen von Steroiden bei Schwangeren besonders bedenklich. Die Wissenschaftler räumen dabei aber ein, dass sie keine Daten hinsichtlich des Gehalts an einschlägigen Chemikalien im Fleisch verfügen.
Der postulierte Zusammenhang zwischen dem Einsatz von wachstumsfördernden Hormonen und der Schädigung des menschlichen Spermas hat durchaus auch seine politische Brisanz. Während in Europa den Fleischproduzenten der Einsatz wachstumsfördernder Substanzen 1998 vollständig verboten wurde, wurden in Amerika zwar manche Chemikalien bereits 1979 verboten, doch werden andere wie z.B. Testosteron und Progesteron noch heute eingesetzt. Das hat bis heute Konsequenzen bez. Fleischimporten aus den USA und führt immer wieder zu Diskussionen.
Die Autoren der Studie räumen selbst ein, dass auch andere mögliche Ursachen, wie z.B. der Kontakt der Väter mit Pestiziden, für den beobachteten Effekt verantwortlich sein könnten. Deshalb sollte die Studie mit Männern wiederholt werden, die in Europa erst nach 1988 geboren wurden, als diese Stoffe hier eben bereits verboten waren.


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